Neue "Fankultur" im deutschen Frauenhandball
"So viele Fans hat der deutsche Frauenhandball lange nicht gehabt." Dieser Satz stammt von Michael Jakobs, dem Koordinator für Frauenhandball Reisen bei handball-world.com-Reisepartner West-Travel. Jakobs, selbst Fan der Trierer Miezen, muß es wissen, denn er hat für das Finalwochenende der EM in Schweden zum ersten Mal bei einer Reise zu einem Frauenhandball-Event mehr als 100 Karten abgesetzt. Der deutsche Block stand bei der abgelaufenen EM in Schweden wie eine Eins hinter der Nationalmannschaft, diese zahlte es mit einer starken Leistung zurück. Doch nicht nur die Anzahl der Fans ist gestiegen, es scheint sich auch eine neue "Kultur" einzustellen.
Bis zum letzten Spiel durften die deutschen Anhänger dabei dank der starken Leistung der Mannschaft von einer Medaille träumen, und obwohl es am Ende "nur" zu Platz Vier reichte, fuhren alle Fans mit zufriedenen Gesichtern nach Hause.
Angesichts der sicheren Qualifikation für die WM in Frankreich in einem Jahr, liefen bereits vor der Abreise in Schweden die ersten Vorbereitungen für die nächste Reise ins Nachbarland Frankreich 2007 an.
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"In Kroatien bei der WM 2003 saßen bei einem Spiel mal 15 Leute und übertragen wurde zu Hause nichts", so Michael Jakobs, der 2004 beim unerwarteten fünften Platz bei der EM in Ungarn bereits 30 Fans in der Reisegruppe zählte, und selbst die Reise in das winterliche St. Petersburg trat im letzten Jahr bei der WM erneut eine ähnlich große Gruppe an.
In Schweden wuchs die Zahl der deutschen Fans von Spiel zu Spiel an. Vor allem nach der feststehenden Qualifikation für das Finalwochenende in Stockholm entschlossen sich viele Fans kurzfristig noch nach Schweden aufzubrechen und nutzten dabei vor allem die Angebote der Billigflieger.
"Das war auch wichtig, denn hier in Schweden sind die Randerscheinungen andere. Für ein Abendessen in Schweden konnten wir in St. Petersburg vierzehn Tage speisen", sagte Wolfgang Beck aus Laudenbach bei Leutershausen. Er und seine Frau Ursula sind seit zehn Jahren die "Edelfans" des deutschen Handballs und waren bei allen Events live vor Ort, sogar 1997 in Japan waren die Becks dabei, im Gegensatz zur DHB-Auswahl.
"Es ist schon toll was sich da entwickelt hat", zieht Jakobs ein positives Fazit der EM in Schweden, nicht nur aufgrund der zahlreichen Fans am Finalwochenende. Die Gruppe von West-Travel hatte sich in diesem Jahr nach Vorbild der skandinavischen Fans in einheitlicher Kleidung präsentiert. Mit Unterstützung des DHB-Austatters Kempa und des Marpinger Sporthauses Glaab wurden die deutschen Spielerinnen in einheitlichen T-Shirts und Pullovern angefeuert und somit auch optisch ein "Block" gebildet. Unter den Fans in der Gruppe des hw.com-Reisepartners west-travel.com waren dabei auch zahlreiche Eltern von Spielerinnen.
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"Wenn ich fünf Jahre zurück denke war die Mannschaft eher unnahbar, doch heute geht sie auf die Fans zu", so Axel Spieß aus Wiesbaden. Zusammen mit Fank Gallas begleitet der Versicherungskaufmann ebenfalls seit Jahren treu die deutschen Frauen. Gallas zog trotz der verpassten Medaille ein positives Fazit: "Es ist zwar schade hier keine Medaille gewonnen zu haben, aber die Mannschaft hat sich die Unterstützung einfach verdient".
An vorderster Front bei der Untertstützung dabei sind auch die Eltern. Wörz, Krause, Englert, Baumbach, Meier, die Reiseliste West-Travels liest sich wie die Aufstellung von Bundestrainer Armin Emrich. Die Wurzeln liegen dabei tief, bereits in der Juniorinnen-Nationalmannschaft unter Trainer Dago Leukefeld waren viele Eltern der heutigen Nationalspielerinnen mit der Mannschaft auf Reisen gegangen. Auch der sich nun einstellende Erfolg und das begeisternde Spiel der deutschen Auswahl sorgen nun dafür, dass
die Eltern keineswegs alleine auf der Tribüne sitzen.
"Wir sind noch eine junge Mannschaft, das war unser erstes Halbfinale, außer Grit Jurack hat noch keine von uns bei einer WM oder EM im Halbfinale gestanden", diktierte beispielsweise Anja Althaus in den Notizblock von Journalist Trus Pölsebröd-Sennep, dass die Mannschaft noch große Ziele vor sich hat. Dies ist auch den Fans in Deutschland nicht verborgen geblieben, die Übertragungen des DSF verfolgten größtenteils mehr Zuschauer als die Bundesligaspiele der Männer, die der Spartensender am Dienstag Abend überträgt. Die deutschen Frauen hoffen, dass vielleicht einige der neu gewonnenen Fans im nächsten Jahr in Frankreich auch den Weg in die Halle vor Ort finden, denn die Mannschaft bietet mehr als nur sehenswerten Handball.
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Das DHB-Team ist unter Bundestrainer Armin Emrich eine Mannschaft zum Anfassen geworden. Auch Emrich geht selbst immer wieder auf die Fans zu und zeigt ein offenes Ohr für deren Anliegen. Nach jedem Spiel in Schweden saßen so die deutschen Spielerinnen zwischen den Fans und ihren Eltern und
verfolgten gemeinsam die folgenden Spiele.
"Das ist eine wunderschöne Gemeinschaft", freut sich Michael Jakobs, der als Schriftführer der deutschen Fans für ein weiteres Highlight sorgt. Bei den letzten Events stellte Jakobs eine DVD mit Bildern und Berichten zusammen, eine schöne Erinnerung für die Fans. Nach der WM in St. Petersburg stellte Jakobs sogar ein Buch zusammen, das sogar unter den aktiven Teilnehmerinnen vielgefragt war, so fand Jakobs auch bei den Teams aus Norwegen, Rußland, Holland oder Rumänien Abnehmer für sein Werk. "Dieses herrliche Andenken aus dem kühlen Russland nehmen wir auch gerne zur Hand", sind sich die Mütter von Nadine Krause und Nina Wörz einig.
Doch nicht nur die Spielerinnen können auf familiäre Unterstützung setzen, auch Bundestrainer Armin Emrich ist sich dieser gewiß. Wie schon in St. Petersburg war auch die Familie des Bundestrainers
zur Unterstützung vor Ort.
Emrich freut sich über die positive Fanentwicklung und antwortet auf die Frage nach dem Anfang einer neuen Fankultur: "Ja, auf jeden Fall, wir haben eine tolle EM gespielt und der Frauenhandball hat insgesamt an Flair gewonnen. Hinzu kommt, dass wir für die nächsten Events qualifiziert sind und die Weltmeisterschaften in Frankreich im nächsten Jahr ja direkt vor der Tür liegen".
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Quelle: www.handball-world.com Fotos: Christopher Monz
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