Reisebericht / EM Mazedonien 2008
Teil 2
10. Dezember 2008
Montag früh erfuhren wir dann, dass die “Spezialisten” bereits errechnet hätten, dass wir (also unsere Mädels) bei einem Sieg gegen Schweden sicher im Halbfinale stehen, wenn anschließend auch Russland gegen Mazedonien gewinnen würde. Vor diesem Hintergrund und weil wir ganz fest an die Mädels geglaubt haben, wurden am Vormittag die Alkoholvorräte für eine abendliche Feier erhöht. Neun Liter Wein und eine Flasche Schnaps sollten für 12 durstige Kehlen reichen.
Auf dem Weg zum Supermarkt machten wir uns auch auf die intensive Suche nach der Statue von Mutter Teresa, die hier irgendwo stehen soll. Sie wurde 1910 hier geboren und verließ Skopje mit 18 Jahren. Gefunden haben wir gleich beim Hotel um die Ecke eine Gedenktafel an der Stelle, wo ihr Geburtshaus gestanden hat. Und bei der Army Hall ein riesiges Bild mit einem Zitat von ihr. Die Statue aber nicht, aber wir sind ja noch ein paar Tage hier.
Der Spieltag brachte dann die von allen erwarteten Ergebnisse, also konnte die Feier zum Einzug ins Halb- finale stattfinden.

Wie lange wir gefeiert haben, wird hier nicht verraten, aber bei den Vorräten könnt ihr euch das sicher vorstellen. Scheinbar hat es dem Hotelbesitzer aber nicht so gut gefallen, jedenfalls ließ er uns ausrichten, dass wir bitte ab sofort keine mitgebrachten Getränke mehr in der Hotelbar (das ist die offizielle Bezeichnung für unseren Wintergarten) verzehren dürfen. Da müssen wir uns wohl beim Einzug ins Finale in eines der Dreierzimmer zurückziehen …………

Für Dienstag war von Anfang an der Aufstieg auf den Berg Vodno, auf dem das Millenium-Kreuz steht, geplant. Das 66 m hohe und 42 m breite Stahlgerüst-Kreuz steht seit dem Jahr 2000 (daher auch der Name) auf dem Gipfel des Berges auf 1040 Meter Höhe. Es ist durch eine teilweise gesperrte Straße zu erreichen, so dass noch ungefähr vier Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Aus diesem Grund sind außer uns nur Moni, Jürgen, Günter und Axel mitgegangen.
Der Aufstieg über die Serpentinen dauerte ca. 90 Minuten und war noch ganz erträglich, obwohl wir bei der einen oder anderen Steigung doch vereinzelt ins Pusten kamen. Aber der Blick von dort oben entschädigte wirklich für alles. Wir hatten uns den idealen Tag ausgesucht, strahlend blauer Himmel und freie Sicht in alle Himmelsrichtungen.

Was wir bisher täglich auf dem Heimweg eindrucksvoll beleuchtet gesehen hatten, ist ein symbolisches Bauwerk. Das Fundament besteht aus vier Säulen, entsprechend den vier Evangelisten. Das Untergeschoss hat 12 Säulen entsprechend den 12 Aposteln. Das Kreuz ist aus 33 Stockwerken errichtet. Dies entspricht den 33 Lebensjahren Jesu.
Ärgerlich war für uns, dass die Verpflegungsstation auf dem Berg geschlossen hatte, wir hätten uns gerne ein wenig hingesetzt und etwas getrunken.

Den Abstieg wollten wir dann über die offiziell gekennzeichnete Abkürzung quer durchs Gelände machen. Darauf war aber Axel nicht vorbereitet, der Schuhe mit Ledersohlen trug, was sich als Verhängnis für ihn - und Jürgen - herausstellte. Da eine Umkehr nicht möglich war, stellte Jürgen sich als “Lokomotive” zur Verfügung.
Trotz eines Sturzes (nur Axel) dauerte der Abstieg auf diese Art und Weise weniger als eine Stunde.
Da wir jetzt aber auch den Weg zu Fuß zurücklegten, den wir am Morgen noch mit dem Taxi gefahren waren, kehrten wir mit schmerzenden Beinen knapp 5 Stunden nach unserem Aufbruch ins Hotel zurück. Hier konnten wir die Spiele aus Ohrid im Fernsehen verfolgen, bevor wir zur Pizzeria gingen, in der auch die Mannschaft essen würde.
Der Kellner war so von den Mädels angetan, dass er vergaß, diverse Getränke auf deren Rechnung zu setzen, als sie nach 2 Stunden ins Hotel zurück mussten, so dass wir sie dann mitbezahlen durften. Mal sehen, ob das tatsächlich stimmt, dass die vorher nicht alles bezahlt haben oder ob die uns über den Tisch gezogen haben. Hier ist es nämlich nicht so einfach, in einer großen Gruppe im Lokal einzeln zu bezahlen, da kommt der Kellner dann plötzlich mit Bergen von Quittungen und dann geht das Gerechne los. Aber der Kellner will Donnerstag zum Spiel kommen, da könnten wir das dann noch klären.

12. Dezember 2008
Am Mittwoch machten wir uns dann auf die Suche nach der Statue von Mutter Teresa. Gott sei Dank lief uns Sandra über den Weg, die führte uns hin. Und natürlich waren wir schon diverse Male an ihr vorbei gekommen, ohne sie zu registrieren ...

Dafür konnten wir Sandra dann die Stelle zeigen, wo das Geburtshaus gestanden hatte, da war sie nämlich schon diverse Male vorbeigegangen, ohne die zu sehen.

Da das Wetter kalt aber sonnig war, machten wir noch einen Spaziergang Richtung Gradski Fußballstadion. Hier war ein großes Aufgebot an Polizei und Journalisten, wir durften auch kurz durch eine offene Stadiontür schauen, es machten sich zwei Mannschaften warm, um 13 Uhr sollte ein Spiel beginnen, leider konnte uns keiner so verstehen, dass er uns sagen konnte, wer gegen wen. Aber wen von uns interessiert schon Fussball???
Also ab zum Essen. Das ausgewählte Lokal hatte natürlich für so viele Leute ohne Anmeldung keinen Platz, also zogen wir weiter und kehrten in einer einfachen Kebapstube ein. Hier haben wir alle Kebapröllchen (auch bekannt als Cevapcici) gegessen, dazu gab es leckeres Brot, rohe Zwiebeln und Peperoni.

Einfach, übersichtlich, aber lecker. Die Peperoni haben dem einen oder anderen dann ganz schön die Tränen in die Augen getrieben; ich sage nur: die scharfe Usch!!!
Leider hatten die keine Erlaubnis, Rakija auszuschenken, so machten wir uns ohne flüssige Stärkung auf den Weg zur Halle.
Wir wählten den längeren Weg entlang der Vardar, super zum Gehen, weil nur Fuß- und Radweg fernab von jeglichen Autoabgasen.
In der Halle erlebten wir dann eine Überraschung, denn ich bekam von Tom Geld in die Hand gedrückt - der Kellner vom Vorabend hatte nach seiner Abrechnung festgestellt, dass er diverse Getränke doppelt abgerech- net hatte und ist ins Mannschaftshotel gefahren, um das Geld zurückzugeben. Das fanden wir sehr nett.

Donnerstag haben wir nochmals die Gegend erkundet. Neben der Burg Kale kann man noch ein riesige neues Gebäude sehen, an dem noch gebaut wird. Das ganze Gelände war umzäunt und wir wurden von den überall stehenden Securityleuten ziemlich böse angesehen. Später erzählte uns ein Einheimischer, dass es sich um das amerikanische Government handele. Gut, dass wir unsere Kameras nicht rausgeholt hatten, vielleicht wären wir verhaftet worden? Außerdem kamen wir noch an einem französischen Soldatenfriedhof und an der alten Spielhalle von Kometal Skopje vorbei.

Am letzten Spieltag der Hauptrunde verließen wir das erste Mal die Halle, bevor das letzte Spiel beendet war. Aber bei dem Spiel der Mazedonierinnen ging es um nichts mehr und das Publikum hatte unsere Nerven sowieso schon übermäßig strapaziert. Außerdem hatten wir einen Tisch in einem mazedonischen Lokal bestellt, welches um 22 Uhr schließt, da mussten wir uns beeilen.
Da es inzwischen wieder angefangen hatte zu regnen, sind die meisten direkt mit dem Taxi dorthin gefahren. Bei unserem Eintreffen (Krause/Wörz) war der Tisch schon reichlich mit mazedonischen Spezialitäten gedeckt und die anderen schon fleißig am Speisen.
Salatplatten, Brot, Peperoni, gekochte Bohnen, Käse usw., und das war nur die Vorspeise. Als dann die riesigen Fleischplatten kamen, waren wir eigentlich alle schon satt.
Es war super lecker, aber viel zu viel ...

Einen mittleren Schock bekamen wir dann bei der Rechnung, so viel hatten wir bisher für alles Essen zusammen bezahlt, für deutsche Verhältnisse war esmit umgerechnet 16,-- pro Person incl. Rakija und Kaffee noch immer äußerst preiswert, aber für mazedonische Verhältnisse Luxus.
Den Tag beschlossen wir dann mit Rakija im Wintergarten. Welche schmutzigen Lieder da so gesungen wurden und wer die letzten waren, soll hier lieber unerwähnt bleiben. Ich sage nur, stille Wasser sind tief! Vielleicht reizt es den einen oder anderen, beim nächsten Mal einfach mal mitzufahren ...

16. Dezember 2008
Der Freitag war nicht nur bei der Mannschaft ein Ruhetag. Wegen des Dauerregens hingen die meisten von uns in ihren Zimmern rum. Am Nachmittag machten wir (Krause/Wörz) uns dann zum Mannschaftshotel auf, unsere Mädels hatten Sehnsucht. Die hatten es sich auf dem Hotelflur so richtig gemütlich gemacht, mit Kerzen, Tee, Kakao und allerlei Süßigkeiten.

Ab und zu wurde über Videos aus You Tube gelacht oder der eine oder andere schaute mal aus seinem Zimmer um die Ecke. So ganz nebenbei bekamen wir die Haare geschnitten und getönt. Anja kann halt nicht ohne ...

Am Samstag früh hatten wir dann nicht viel Zeit über, denn nach dem Frühstück ging es sofort zur Halle, das Spiel um Platz 5 begann schließlich um 11.30 Uhr. Wenn wir gewusst hätten, wie die Halbfinalspiele ausgehen, wären wir nicht so voller freudiger Erwartung in die Halle geeilt. Denn wie allgemein bekannt, haben die Mädels den Sprung ins Finale zum dritten Mal in Folge nicht geschafft.

So blieb uns nichts anderes übrig, als am Finaltag auf die Bronzemedaille zu setzen. Das Spiel fand übrigens vor fast leeren Rängen statt, so konnten wir uns direkt an das Spielfeld setzen, um die Mannschaft anzufeuern. Leider hat auch das nichts geholfen. Das Finale verfolgten dann die Spielerinnen mit uns zusammen auf der Tribüne (inzwischen war die Halle auch fast voll). Einigen fiel es sehr schwer, zur Siegerehrung auf das Parkett zurückzukehren. Wir marschierten ein letztes Mal zurück Richtung Hotel; das abendliche Beisammensein war nicht besonders stimmungsvoll .......

Am Montag war für 13 Uhr der Transport zum Flughafen organisiert. Da dieser nur sehr klein ist, hatten wir ruckzuck unsere Koffer aufgegeben und warteten auf den Abflug. Da die Mannschaften schon morgens um 6:00 Uhr geflogen waren, sahen wir nur noch den einen oder anderen von der Presse. Ursel kaufte im Duty free Shop noch eine Flasche Rakija für zu Hause, die ihr dann aber bei der Zwischenlandung in Ljubljana abgenommen werden sollte. Dabei hatte sie in Skopje extra nachgefragt, ob das in Ordnung ist mit dem Alkohol bei der Zwischenlandung. So blieb ihr nur, die Flasche zu leeren (was etwas problematisch war, weil da gar kein Platz war, wo wir uns hätten aufhalten können) oder sie im Rucksack aufzugeben. Aber oh Wunder, in Frankfurt war der Rucksack trocken und die Flasche unversehrt.
Jetzt begann das große Abschied nehmen, einige fuhren mit dem Auto weiter und andere mit dem Zug. So wie wir. Allerdings mussten wir noch 90 Minuten auf dem fast menschenleeren Fernbahnhof warten, aber dann hatten wir Glück, bekamen ein Abteil für uns und konnten uns auf zwei Dreierbänken lang machen und schlafen. Schließlich endete unsere Fahrt um 5:55 Uhr am Dienstag und wir mussten direkt zur Arbeit. Was macht man nicht alles mit als Fan ...

Bericht: Rosi Wörz
Fotos: lt. Quellenangabe bzw. privat