WM-Tagebuch / Endrunde in Paris

Mittwoch, 12. Dezember 2007 - Reisetag / Umzug nach Paris

Paris - die Stadt der Liebe - empfing uns mit strahlendem Sonnenschein! Mit einem großen Bus wurden wir bequem von Dijon nach Paris kutschiert und im Hotel Etap im Stadtteil Saint Mande abgeliefert. Das Hotel entsprach nicht dem Geschmack aller und war für 5 Übernachtungen nicht wirklich komfortabel. Schränke gab es hier nun gar keine mehr (in den Hotels vorher waren es wenigstens immer kleine Ablagen und ein paar Bügel, wo man ein paar Dinge unterbringen konnte), und das Waschbecken war mitten im Zimmer. Dafür gab es je einen Extraraum für eine Toilette und für die Dusche (jeweils Vollplastik), ca. 1m² klein und äußerst gewöhnungsbedürftig. Im Nachhinein betrachtet allerdings alles halb so schlimm – die Zeit, die wir hier verbringen wollten, war ja doch sehr begrenzt.

Die meisten von uns ließen sich nur fix ihre Zimmerschlüssel aushändigen, stellten das Gepäck ab und los ging’s – wir wollten ja schließlich alle was von Paris sehen. Die Metrostation war vom Hotel bequem in etwa 5 Minuten zu Fuß zu erreichen.

Dort  war dann erst mal etwas Aufregung angesagt, welche Tickets denn die günstigsten sind. Irgendwann hatten wir aber auch das geschafft und nahmen die nächste Metro. In der Nähe des Louvre stiegen wir aus und liefen erst mal ohne bestimmtes Ziel los und ließen die Stadt auf uns wirken. Einfach Wahnsinn, hier mittendrin zu sein!!!
Wir schauten uns also etwas in der Pariser City um. Ghaddafi war zu der Zeit zu Besuch in Paris, und das Polizeiaufgebot war enorm. Am Place Vendôme (immerhin einem der fünf "Königlichen Plätze" in Paris, umrahmt vom luxuriösen Hotel Ritz sowie diversen für uns indiskutablen Juweliergeschäften) gab es sogar Polizisten auf Inlinern. Die kriegen bestimmt jeden Diamantenräuber ...

Zumindest den Michel würden sie sicher erwischen ... Der hat nämlich todesmutig vor einem der mit Leibwächtern bewachten Juwelierläden freundlich gewunken - schließlich bekamen Kerstin, Rosi und Moni ganz glänzende Augen beim Anblick der Auslagen und hätten gegen ein unvergessliches Weihnachtsgeschenk nichts einzuwenden gehabt, was
aber ihre besseren Hälften glatt ignorierten ... So opferte sich Michel, komischerweise wurde ihm aber kein Einlass gewährt, stattdessen nur mit arg finsterer Miene abgewunken.. Michel betonte, dass er immerhin Inhaber der Sparkassen-Gold-Card wäre – aber keine Chance! Hätte Didi ihm den Geheimtipp mit der Payback-Card mal bloß früher gegeben...! (Insidertipp!)
Unser Hartmut war übrigens heute morgen mit seinem Privat-PKW dem Bus hinterhergefahren und kam etwas später an. Er wollte dann nur noch sein Auto in die Hotel-Garage bringen und dann nachkommen – was uns eigentlich erst später so richtig klar wurde. Hallo???? Nachkommen? Wir sind hier in Paris!!!!! Er wusste doch gar nicht, wo wir hinwollen, das wussten wir ja selber noch nicht!
Wir hatten es uns nun mittlerweile in einem kleinen Cafe gemütlich gemacht, wo glatt für uns knapp 15 Leute Platz geschaffen wurde, als Hartmuts Anfrage per SMS kam, wo wir denn gerade sind. Irgendwer kam dann auf die glorreiche Idee, ihn zur Place de la Concorde zu schicken, die von dem Cafe grade ein paar wenige Schritte entfernt lag. Zwar ist die Place de la Concorde nur der zweitgrößte Platz in Frankreich, aber immerhin der größte in Paris (mit einem sechsspurigen Kreisverkehr!!!)! Entsprechend hat diese Metrostation wohl so viele Ausgänge wie keine andere in Paris. Und logischerweise nahm Hartmut nicht den Ausgang, an dem wir ihn erwarteten. Michel fragte ihn dann per Handy, ob er nicht das Riesenrad sehen würde. Nein, das konnte Hartmut nicht sehen. Bist du auch wirklich an der richtigen Station - dieses Riesenrad KANN man nicht übersehen!!! Irgendwie stellte sich dann heraus, dass er tatsächlich einen Ausgang hunderte Meter von uns entfernt erwischt hatte und irgendwelche Gebäude in einer Ladenstraße ihm den Blick auf das Riesenrad verwehrten. Um es kurz zu fassen: Etwa 5 Telefonate und einige SMS später und knapp bevor wir festfroren, konnten wir ihn in unsere Arme schließen ... also falls Ihr mal einen Treffpunkt in Paris braucht, nehmt jeden anderen - nur nicht diesen!!!

Trotz aller Warterei war es noch relativ früh am Abend und wir fanden allesamt auch ein sehr ansprechendes Restaurant mit Platz für unsere ganze Truppe, in das uns Ursel und Wolfgang führten, die schon einige Male in Paris waren und sich recht gut auskannten. Hier gab es übrigens ein Novum: deutschsprachige Speisekarten! Man muss nur danach fragen ... und so hatte jeder zum ersten Mal während unserer Zeit in Frankreich schon bei Aufgabe seiner Bestellung eine Vorstellung davon, was er nachher serviert bekommen würde.

Gut gestärkt liefen wir zur nahegelegen Metrostation Les Halles-Chatelet. Diese ist der täglich meist genutzte Nahverkehrsknotenpunkt Europas und hat - aufgrund des dort beherbergten unterirdischen Einkaufszentrums - so einiges zu bieten: sie beinhaltet neben einem Kino u.a. auch ein Hallenbad (durch eine große Glasfront wunderbar einsehbar), welches auch am späten Abend noch gut besucht war.

Später nahmen wir in Hotelnähe noch einen Absacker zu uns. Diese Pizzeria sollte während unseres Paris-Aufenthaltes zu unserem „Stammlokal“ werden ...
(Tanni, Coco)

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Viertelfinaltag in Paris! Und erst mal Frühstück im Etap. Tabletts standen bereit mit Plastikbesteck (richtige Teller gibt es dort nicht), dazu Einweg-Plastikbecher für Saft, Plastiktassen für Kaffee, Plastikschüsseln für Müsli ... und alles hübsch in Einmalverpackungen von der Marmelade bis zum Käse. Mal ganz davon abgesehen, dass die Auswahl sehr begrenzt war (wir haben uns alle die Laune aber davon keineswegs verderben lassen) – was da allein für ein Müll produziert wird, das ist verrückt und man sollte darüber besser gar nicht weiter nachdenken ...

Tja, das Wetter sah wieder gut aus, also beschloss ein Großteil der Gruppe, sich zu Fuß auf den Weg zur Halle zu machen. Der Stadtplan wurde also gezückt und Rosi zeigte uns, wo es lang geht. Im strammen Marsch erreichten wir nach einer dreiviertel Stunde den Palais Omnisports in Paris-Bercy.
Leider mussten wir noch ziemlich lange warten, denn am Eingang sollte jede Eintrittskarte gescanned werden und die Technik funktionierte nicht, somit wurde uns kein Einlass gewährt. Irgendwann klappte aber auch das, wir durften hinein, aber dafür fielen die aus Dijon schon gewohnten Durchsuchungen hier aus. Jeder kam hier rein, völlig egal was er bei sich hatte. Klar, dass wir beschlossen, am nächsten Spieltag unseren Proviant selber mitzubringen, denn am Getränkestand herrschte zwar im Vergleich zu Nantes oder Dijon relativ wenig Andrang, aber auch kein Wunder bei den Super-Großstadt-Preisen! Getränke kosteten hier zwischen 3,50 und 7,50 €, und Baguettes gab es ab 4,50 € aufwärts.
Unsere Plätze waren diesmal direkt am Weg zum Kabinengang und auch sämtliche Fernsehinterviews wurden direkt vor unserer Nase geführt ...
Der Spieltag selber hatte es in sich - aber das war ja bei den nun folgenden Ausscheidungsspielen auch abzusehen. Drei der vier Spiele gingen äußerst knapp aus, und das letzte, wo keiner von uns noch 100%ig aufnahmefähig war, konnte sogar erst nach zweimaliger Verlängerung entschieden werden. Ein richtig spannender Spieltag, aber selbst das hielt manchen nicht vom Tiefschlaf ab. Naja, selbst dieser junge Mann hatte noch mitbekommen, dass unsere deutschen Mädels ins Halbfinale eingezogen waren ...
(Tanni, Coco)

Freitag, 14. Dezember 2007 - Ruhetag

Ruhetag in Paris – wie praktisch! Die Spielerinnen hatten wieder etwas „Ausgang“ und trafen sich für ein paar Stunden mit ihren Eltern, und auch alle anderen machten sich in kleinen Grüppchen auf zur Sightseeing-Tour durch Paris. Es gibt ja aber auch so furchtbar viel zu sehen: Sacre Coeur (siehe Fotos), Montmartre, Triumphbogen, Champs-Elysees, Notre Dame, Eiffelturm und noch so vieles mehr. Unmöglich alles an einem Tag gründlich zu entdecken, jeder hatte sich Prioritäten gesetzt ... 

Das Bummeln unter dem Eiffelturm kann übrigens auch kleine Überraschungen bereit halten - hatten wir gestern noch gedacht, dass Paris KEIN Dorf ist, wurden wir heute eines Besseren belehrt: kaum, dass wir uns versahen, joggten dort drei unserer Mädels mit einem freundlichen „Hallo“ an uns vorbei ...

Warum zog es in Paris eigentlich an allen Ecken? In der Metro, im Restaurant, in der Sporthalle ... irgendwie immer und überall. Als logische Konsequenz haben sich so einige von uns spätestens hier in Paris recht heftige Erkältungen eingefangen.

Kiki holte heute nochmals so einige Fans vom Flughafen ab, und unsere deutsche Karawane wurde nochmal größer ...
(Tanni, Coco)

Samstag, 15. Dezember 2007

Die Gruppe der Fußgänger zur Halle in Bercy war also nochmal angewachsen. Wir hatten am heutigen Halbfinaltag richtig teure VIP-Tickets (was allerdings nicht bedeutete, dass irgendeine Form von kulinarischer Versorgung im Preis inbegriffen war), und unsere Sitzplätze befanden sich entsprechend weit vorn.
Natürlich wurden auch heute wieder die schwarz-rot-goldenen Fahnen am Geländer vor uns angebracht.
Direkt neben uns nahm später eine Gruppe junger Norweger Platz, und eines der Norge-Mädels konnte unsere Deutschlandflagge vor sich nicht ertragen und fand es toll, diese fleißig peu a peu abzubasteln. Jegliche vernünftigen verbalen Bemühungen unsererseits zeigten keinerlei Wirkung – und da wir ja friedliche Menschen sind, griff Solveig nur gerade noch rechtzeitig zu, bevor die Fahne abstürzte. Dafür musste die kleine Zicke nachher von hinten mit der um sie wehenden Fahne jeweils nach deutschen Toren leben. Eine kleine "Strafe" musste schon sein ... Zum Glück war sie aber die Ausnahme, die anderen Norwegenfans waren sehr umgänglich.

Nach dem leider verlorenen Spiel waren wir alle zunächst ziemlich bedrückt. Einige fuhren mit der Metro in Richtung Hotel, andere wollten sich das Spiel bei dem Rückmarsch zu Fuß noch mal durch den Kopf gehen lassen. Mehr oder weniger zufällig trafen sich dann aber fast alle wieder in unserer „Stammpizzeria“ in Saint Mande, und es wurde noch ein lustiger Abend.
(Tanni, Coco)

Sonntag, 16. Dezember 2007

Der Tag der Bronzemedaille …………. was war das spannend und irgendwie nicht recht zu fassen! Am Ende lagen sich alle in den Armen und feierten die Mädels, die sich selbst - und irgendwie ja auch uns - mit dieser Medaille für ihre großartigen Leistungen belohnt haben! Einfach ein geiles Gefühl, live dabei und mittendrin zu sein!!!

Den Tag verbrachten wir fast ausschließlich in der Halle, da schon ganz früh die ersten Platzierungsspiele stattfanden.

Abends ging ein Großteil unserer Truppe noch nett essen! Es war ja schließlich auch der Abschiedsabend von Paris, von der WM und von vielen netten Menschen.
Das Restaurantpersonal war zwar etwas überfordert (wir waren insgesamt auch etwa 25 Personen), aber wir hatten trotzdem unseren Spaß. Wenn an einem 6er-Tisch alle ein Rumpsteak (mal „medium“, mal „durch“) mit der einen oder anderen Beilage bestellen, kann selbst ein Mann von Welt in einem schicken Pariser Restaurant schon mal etwas durcheinander kommen. Aber, pflegeleicht wie wir eben sind, wechselten die Teller bzw. zum Teil auch nur die Steaks ihre Besitzer ...
Es war ein munteres Getausche an unserem Tisch und jeder bekam letztendlich das, was er mochte.
Dann machten wir uns alle nach und nach aber auf den Weg ins Hotel, schließlich sollten einige am nächsten Morgen schon zu ziemlich unchristlicher Zeit zum Flughafen gebracht werden.
(Tanni, Coco)

Montag, 17. Dezember 2007

4 Stunden Schlaf sind nicht wirklich viel – schon gar nicht nach zwei Wochen WM-"Urlaub"! Aber was soll’s – 4.40 Uhr war Abfahrt angesagt. Also rein in den Kleinbus und ab zum Flughafen. Wir gehörten zu den ersten 10 Heimkehrern, die anderen flogen einige Stunden später. Der Flughafen Charles de Gaulle ist bekanntlich eines der Drehkreuze Europas – jedoch heißt das nicht automatisch, dass vor 6.15 Uhr Kaffee oder Croissants zu kriegen sind! Unglaublich, aber immerhin haben wir uns kurz vorm Boarding doch noch stärken können. Und dann ging es auf einmal ganz schnell, hier noch knuddeln, da noch mal in den Arm nehmen, und so verschwand dann nach und nach jeder in Richtung Heimat ...

Was mich (Coco) nun mal noch persönlich interessieren würde: Was haben sich die anderen denn von der Eule in Dijon gewünscht??? Ich denke mal, dass doch viele Wünsche nicht rein persönlicher Natur waren, sondern so einige mit dem Abschneiden unserer Mädels hier bei der WM zusammenhingen.
Meinen Wunsch hat die Eule prinzipiell schon erhört, allerdings war sie entweder zu dem Zeitpunkt etwas überfordert oder sie hätte einfach ganz konkrete Ansagen gebraucht. Dass die Mädels das Finale erreichen, hat sie ja hinbekommen, aber ich hätte wohl sagen sollen, dass ich das große und nicht das kleine meine ...
(Tanni, Coco)

Abschließend möchten wir noch ein paar Dinge loswerden:
Es war eine tolle Zeit in Frankreich, diese Tage/Wochen waren wohl für uns alle ein unvergeßliches Erlebnis!!!

Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle von uns an unsere Mädels für diese tolle WM - wir sind wahnsinnig stolz auf Euch!!!
Desweiteren ein Dankeschön an das gesamte Trainer- und Betreuerteam - Ihr habt Unglaubliches geleistet!
Und last but not least: Danke Karl und vor allem Danke Kiki für die supernette Betreuung vor Ort!!!

Fotos: Moni, Didi, Michel, Kiki, Markus, Tanni, Coco

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