WM-Tagebuch / Hauptrunde in Yangzhou

Nach ca. 2 Stunden Fahrt sind wir dann im Hauptrundenspielort Yangzhou angekommen. Unser Hotel Garden International liegt am Stadtrand und war nur 5 Minuten zu Fuß vom Mannschaftshotel und einem großen französischen Supermarkt samt Einkaufszentrum entfernt. Hier hielten wir uns relativ häufig auf und da wir immer wieder Spielerinnen der anwesenden Mannschaften dort antrafen, scheint ihnen irgendwie auch langweilig gewesen zu sein.

Das Hotel, ebenfalls ein 4-Sterne-Haus, war komfortabler als das Hotel in Wuxi. Wir bekamen alle Zimmer auf dem 8. Stock, dem Non-Smoking-Floor. Nur Becks, die rechtzeitig zum ersten Spiel gegen Russland zu uns stießen, mussten mit der 11. Etage vorlieb nehmen. Dafür wurden sie aber auch mit einer besseren Aussicht belohnt. Natürlich nur, wenn das Wetter mitspielte. Und das tat es leider zu selten. Es regnete ziemlich viel und ziemlich andauernd, so dass unser Besichtigungsprogramm doch ein wenig eingeschränkt war. Die Innenstadt haben wir uns angeschaut, bei Tag und auch mal beleuchtet im Dunkeln sowie einen Park (siehe Fotos). Da wir, wieder einmal, mit dem Wetter Glück hatten an einem der wenigen reinen Sightseeingtagen, war es dann doch sehr nett. Die Weisse Pagode und vieles mehr sah bei ein wenig hellerem Himmel, von Sonnenschein will ich gar nicht reden, doch ganz nett aus.

Kalt ist es auch geworden hier in China. Noch gab es keine Minusgrade, aber weit entfernt ist das Thermometer davon nicht mehr. Für diese Woche wurde auch Schnee angekündigt. Was eine Sensation wäre, denn in der Region Jiangsu hat es laut Coco vor 20 Jahren das letzte Mal geschneit. Wir warten gespannt, aber bisher kamen keine Flocken vom Himmel.

Im chinesischen Fernsehen hatte Petra einen Bericht darüber gesehen, dass die Preise für Speiseöl angehoben werden sollen. Speiseöl benutzen sie hier in Mengen, selbst die Spiegeleier sind durchtränkt davon. Insofern schien die Nachricht tatsächlich etwas Besonderes zu sein. Petra erzählte uns das am Frühstückstisch und im Supermarkt erhielten wir die Bestätigung, dass sie alles korrekt verstanden hatte. Die Chinesen schleppten literweise Speiseöl aus dem Markt, in jedem Einkaufswagen waren mindeste 3 große Behälter a 3 Liter. Wahnsinn!

Für die freien Abende hatten wir ein kleines chinesisches Restaurant ausfindig gemacht. Dank des kleinen Sprachführers in Sandras Reiseführer funktionierte das alles sehr gut. Außerdem konnte man ja auch immer auf die bunten Bilder auf der Speisekarte deuten und sich dann überraschen lassen. Rosi und Petra bekamen sogar ihr Hühnchen in Erdnusssoße und waren begeistert. Essen in China bedeutet, dass alles, was bestellt wird, in die Mitte des Tischs gestellt wird und sich dann jeder von allem bedient. Und mit Stäbchen natürlich. Auch das klappte recht gut und die Preise dafür sind schon unglaublich. Das Mahl kostete nicht einmal drei Euro pro Person. Es war lecker und satt wurden auch alle.

Desweiteren haben wir eine Bar aufgetan, die auch länger als 23 Uhr geöffnet hat. Das ist nämlich das größte Problem in China, nach 22 oder 23 Uhr, wenn wir aus der Halle kommen, noch etwas zu essen oder trinken zu finden. Das goldene M oder KFC waren oftmals die einzige Gelegenheit.
Aber die Soho-Bar war nicht schlecht, vor allem wenn man wie wir im Separee sitzen konnte. Die Musik war schon sehr laut, unterhalten wäre undenbbar gewesen. Aber hier und da gab es auch Liveauftritte, die waren schon nicht schlecht. Freude kam bei uns auf, als die Sängerin den Song „Coco Jambo“ zum besten gab. Apropos Coco, wir wollten sie ja mitnehmen in die Bar, aber irgendwie wollte sie das nicht. Verstehen wir gar nicht.
Ach ja, getroffen haben wir noch eine Deutsche. Lena kommt aus Niedersachsen und hat die Reise  von ihrem Handballverein geschenkt bekommen. Sie begleitete uns immer in die Halle und wird auch in Nanjing nochmals vor Ort sein.

Wir sind dann am Mittwoch  nach Nanjing weiter gereist und in unserem Hotel Zhenbao Holiday eingecheckt. Ein bisschen sind wir schon durch die Gegend gelaufen und abends haben wir ein Restaurant gegenüber des Hotels aufgesucht. Sah nobel aus, außer uns war auch keiner da, wir hatten sieben Bedienungen für uns, das Essen war gewohnt gut und wir waren gespannt auf die Rechnung. Wir waren überrascht, wieder nur 3 Euro pro Person. Umso besser.

Für Donnerstag haben wir unseren Bus samt Fahrer geordert, um die knapp 250 km nach Suzhou zu fahren. Ein letztes Mal wollten wir unsere Mädels noch sehen, im Spiel um Platz 7. Dreieinhalb Stunden dauerte die Fahrt, davon alleine eine Stunde um aus Nanjing herauszukommen. Ist schon ziemlich groß die Stadt, zudem drängeln sich alle Autos über die einzige Brücke über den Yangze, die kostenlos überfahren werden kann. Unterwegs gab es chinesische Musik und chinesische Comedy im Bordfernsehen. 
Die Rückfahrt verlief dann feucht-fröhlich, denn Ursels aus Deutschland mitgebrachter Schnaps musste ja vernichtet werden.